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Die Herausforderung als Chance sehen – Kinder- und Jugendpastoral in Ausnahmezeiten

Seit Wochen legt die Corona-Pandemie das öffentliche Leben zum größten Teil lahm. Auch die Kinder- und Jugendarbeit des ECYD ist davon betroffen. Bernadette Ballestrem, Teil der Leitung von ECYD-Deutschland, erzählt, welche Auswirkung das auf die Aktivitäten im ECYD hat.

Wie habt Ihr im ECYD-Leitungsteam die letzten Wochen verbracht?

Ehrlich gesagt: Zuerst haben wir die Ruhe genossen, Sachen aufgeräumt, die schon länger liegen geblieben sind, und die kommenden Camps zu Ende vorbereitet. In der Karwoche war eigentlich eine Romreise geplant und danach ein Ostercamp. Leider musste beides ausfallen.

Gibt es trotz Corona weiterhin Angebote für Mädchen und Jungen im ECYD?

Seit dem Beginn von Corona haben wir eine WhatsApp-Gruppe („Take advantage“), die den Jugendlichen helfen soll, diese Zeit gut zu überstehen, sie vielleicht sogar dazu zu nutzen, um geistig zu wachsen.

Was postet Ihr in der Gruppe?

Es gibt jeden Tag einen Impuls zum Tagesevangelium. Außerdem teilen wir ab und zu Videos, die den Kindern helfen sollen, z.B. „Wie kann ich in diesen Tagen mein Gebet aufpäppeln?“. Zwischendurch machen wir auch spontane Spiele. Ein anderes Mal haben die Teilnehmer der Gruppe den Auftrag bekommen, sich etwas Kreatives auszudenken und es per Video zu teilen.

Und was kam raus?

Es waren tolle Ideen dabei. Katharina und Marcella haben zum Beispiel das Lied „Flieg mit mir um die Welt“ umgedichtet mit Corona und Klopapier. Andere haben eine Tischtennisplatte selbst gebaut.

Finden auch Online-Treffen statt?

Seit Ende der Osterferien haben wir wöchentlich zwischen 15 und 17 Uhr Online-Aktivitäten für die Jugendlichen. Bei den jüngeren Kindern beginnen wir immer mit einem Spiel. Dann gibt es eine kindgerechte Katechese und danach eine Aktivität oder ein Video, das wir uns gemeinsam anschauen. Das Treffen wird von unserer Coworkerin Patricia und unserer Postulantin Betty organisiert. Unsere Teamleiterinnen Raphaela und Becky machen einmal in der Woche ein Treffen für 11- bis 14-jährige Mädchen. Und für junge Frauen um die 15 Jahre findet dienstagsabends eine „ECYD-Night“ statt. Dabei kommen externe Referenten und sprechen über ein Thema. Organisiert wird es von unseren Teamleiterinnen Oni und Maria und unserer Coworkerin Johanna. Die Jugendlichen können dabei Fragen stellen. Einmal kam zum Beispiel ein junges Paar und hat über das Thema Beziehung gesprochen.

Gibt es auch Programm für Jungs?

Bruder Raphael, Bruder Silva und Bruder Peter haben zweimal in der Woche „Die gute Frage“ gemacht. Dabei wurde intensiv ein Thema des christlichen Glaubens behandelt, z. B. „Warum musste Jesus leiden?“, „Auferstehung und Himmel… wird das nicht ewig langweilig?“, usw. Die erste „Staffel“ ist beendet, aktuell schauen die Brüder, ob und wie es weitergeht.

Was ist dein Eindruck: Wie geht es den Kindern und Jugendlichen?

Soweit ich es mitbekomme, geht es den meisten gut. Natürlich vermissen sie ihre Freunde, die Schule und den sozialen Alltag. Die Zeit kann aber auch die Beziehungen in Familien stärken, weil bei vielen mehr Ruhe in den Alltag eingekehrt ist. Was aber nicht heißt, dass alles leicht läuft. Einige rufen an und teilen mit, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Wie sieht es aus mit den diesjährigen Sommercamps?

Wir bereiten sie vor und hoffen, dass sie stattfinden können. Wir müssen uns an die Richtlinien der verschiedenen Länder, Bundesländer und Bistümer halten. Aber wir möchten auch kreativ sein, um, falls nötig, Aktivitäten in kleineren Gruppen anbieten zu können. Soweit es uns möglich ist, möchten wir auf jeden Fall Programm für die Kinder und Jugendlichen im Sommer anbieten. Was aber nicht vergessen werden darf: Das ECYD-Leben besteht nicht nur aus Aktivitäten, sondern vor allem aus jungen Menschen, die mit Jesus im Herzen ihren Weg gehen.

Danke.

Das Interview führte Angela Kunze

ECYD-Angebote im Überblick

Für Jungs und Mädchen:
„Freunde von Jesus“ – WhatsApp Gruppe mit Br. Peter Hemm LC zum gemeinsamen Bibellesen mit Kahoot-Quiz.
„Gute Frage“ – WhatsApp Gruppe: zweimal wöchentlich ein Zoom-Treffen mit Br. Peter Hemm LC, Br. Raphael Böhm LC, Br. Jesús Silva LC (vorerst beendet).

Für Jungs:
Tägliches Morgen- und Abendgebet mit geleiteter Meditation: WhatsApp Gruppe zu Zoom-Treffen mit P. Leonhard
8.30 Uhr, Frühaufsteher-Morningprayer
9.30 Uhr, Langschläfer-Morningprayer
20.30 Uhr, Abendgebet

Für Mädchen:
WhatsApp-Gruppe TAKE ADVANTAGE: Hilfen zum Gebet und Kommentare zum Tagesevangelium; Ideen, wie man die Quarantäne gut nutzen kann, Motivation, Zeugnis Videos.
Für Mädchen von 11-14 Jahren: ECYD AT HOME WhatsApp-Gruppe für wöchentliches ZOOM-Treffen mit Bernadette Ballestrem (gottgeweihte Frau im Regnum Christi).
Für Mädchen von 15-17 Jahren: ECYD-Night WhatsApp-Gruppe für wöchentliches ZOOM-Treffen mit Bernadette Ballestrem.

 

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„Looking Good und GetStrong United“: Eine von Jesus begeisterte Generation!

Ungefähr 600 Kilometer musste Miriam Baumeister fahren, um von Köln nach Mühldorf am Inn zum Jugendtreffen „Looking Good und GetStrong United“ zu kommen – und das nach einer Nachtschicht im Hebammendienst. Klingt verrückt? Ist es auch. Doch die 24jährige, die sich regelmäßig im ECYD und Regnum Christi engagiert, ließ sich das nicht nehmen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, zum United zu fahren?

Ein Teamleiter von „GetStrong“, den ich beim ECYD-Teamleiterwochenende kennenglernt habe, hat mich auf der Youmove eingeladen. Ich bin auf vielen ECYD-Camps gewesen, aber kenne „Looking Good“ und „GetStrong“ nicht so gut. Daher war ich gespannt darauf, neue Leute kennenzulernen und die eine oder andere Idee mit nach Hause zu nehmen.

Und dann bist Du losgefahren…

Genau, ich bin nach dem Nachtdienst zusammen mit einer anderen Teilnehmerin aus NRW losgefahren. Abends haben wir das Konzert von den O´Bros besucht. Es war schön zu sehen, wie die Mädels und Jungs zu der Musik abgegangen sind, für sie war es echt ein Highlight.

Und was war dein persönliches Highlight?

Worüber ich mich immer sehr freue ist, wenn es auf Veranstaltungen Anbetung gibt. Mein persönliches Highlight war der Abend der Barmherzigkeit am Samstag: Es waren so viele Leute in dem Raum, aber gefühlt waren nur Jesus und ich alleine dort. Es gab „pray stations“, wo man für sich beten lassen konnte und die Musik hat mich sehr berührt.

Was hast Du noch erlebt?

Am Samstag gab es für die jüngeren Teilnehmer ein Sportturnier und die älteren sind in Kleingruppen auf Mission gegangen. Eine Gruppe war in der Kirche und hat für die Mission gebetet, eine hat Gebetsanliegen gesammelt und sie ans Kreuz geheftet. Am Abend der Barmherzigkeit haben wir für diese Anliegen gebetet. Wieder andere haben einfach so Rosen und Eiskugeln verschenkt, usw.

In welcher Gruppe warst Du?

Ich war in der Gebetsgruppe, weil ich denke, dass das Gebet echt wichtig ist und ich da viel bewegen kann. Im Endeffekt ist nicht entscheidend, was wir tun, sondern was Jesus tut. Mein Talent liegt nicht unbedingt darin, Leute anzusprechen, aber Menschen im Gebet zu unterstützen, bereitet mir viel Freude.

Und am Nachmittag?

Nach dem Mittagessen gab es einen Impuls von Gottfried Schwarzenberger (alias „Goofy“) aus der Home Mission Base zum Thema Talente entfalten – Apostel sein. Außerdem hatte das Team 15 Workshops vorbereitet, die einem konkret im Leben helfen sollen, z. B. wie kann ich meine Lebens-Story gut auf Instagram teilen, es gab eine Fragerunde, einen Workshop zum Thema Ausstrahlung, etc. Ich fand es sehr gut, dass für jeden etwas dabei war. So hat man sich nicht fehl am Platz gefühlt.

Am Sonntag wart ihr in der Gemeinde, oder?

Ja, wir haben die Gemeindemesse mitgestaltet. Hinterher sind Leute zu uns gekommen und haben ihre Freude und Dankbarkeit ausgedrückt. Sie hätten noch nie so viele junge Leute in der Kirche gesehen.

Was ist dein Fazit?

Am Anfang dachte ich: Es wird super anstrengend, weil die Fahrt so lange ist. Aber es hat sich echt gelohnt. Für mich als ehemalige Coworkerin ist es total rührend zu sehen, dass die jüngere Generation so begeistert für Jesus ist. Das hat mich in dem, was ich tue, bestärkt und mir gezeigt, dass ich am richtigen Ort bin.

Danke.

Das Interview führte Angela Kunze.

 

Das sagen weitere Teilnehmer:

Jesus  im Lobpreis und vor allem in den hl. Messen zu begegnen, darauf habe ich mich sehr gefreut. Und zu sehen, dass so viele Jugendliche beim Barmherzigkeitsabend ihr Leben ganz Jesus übergeben hat mich sehr berührt. (Andreas, 18)

Es hat mich überrascht, dass bei der Aktion mit den Gebetsanliegen viel mehr Menschen mitgemacht haben als erwartet. Es war echt schön zu sehen, wie sich die Menschen geöffnet haben. Besonders bereichernd war für mich der Vortag am Samstag: Die Aussage, dass man nicht perfekt sein muss, um Zeugnis zu geben und Licht zu sein. Goofy hat zugegeben, dass er selbst Makel hat, und sich trotzdem nach vorne gestellt. Das hat mich beeindruckt. (Mattia, 18)

 

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O’Bros begeistern 300 Jugendliche

Das diesjährigen United-Treffen von 10 Looking Good und GetStrong Teams in Bayern und Österreich in Mühldorf am Inn startete mit einem Konzert der christlichen Band „O’Bros“.

Sei mein Licht

Begonnen hatte das Treffen mit einer heiligen Messe, bei der P. Martin Baranowski das Motto des Treffens „Be my light“ auf die Aussage Jesu bezog: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk 12,49) Somit sei dieses Licht nicht langweilig, sondern lebendig und spannend wie das Feuer einer Fackel. „Wie die Fackel am Feuer entzündet wird, so muss sich auch unser Licht an dem entzünden, der das Licht der Welt ist, an Jesus Christus.“ Anschließend erklärte Moderator Rupert Zeltsperger die Einladung der O’Bros: „Sie stellen Jesus in den Mittelpunkt und lassen sein Licht leuchten.

Evangelisierung mit Hip-Hop

Mit ihrer Musik wollen die Münchener Brüder Maxi und Alex „Menschen ermutigen, ihren Glauben offen zu leben“. Dabei verkündigen sie das Evangelium auf moderne Art und verbinden leidenschaftlichen Hip-Hop mit christlichen Texten. Der Hip-Hop biete sich dafür hervorragend an, weil man viel „Message in kurzer Zeit“ vermitteln kann. Im Januar hatten die „O’Bros“ rheinland-pfälzischen Montabaur einen der größten Bandwettbewerbe Europas gewonnen, nachdem sie sich im Rahmen des SPH Band-Contests über ein Jahr lang mit 1.000 Nachwuchsbands auf 500 Konzerten in 70 Städten gemessen hatten.

Nicht nur die Musik, sondern auch der Text spricht an

Zum abendlichen Konzert in Mühldorf sind neben den rund 200 Dauergästen auch noch über 100 Abendgäste dabei – einige davon haben dafür über drei Stunden Anreise auf sich genommen. Eine freudig gelöste Stimmung und Kommentare wie „Sau cool“ – „Wirklich stark“ prägen den Abend nach Konzertende. „Mir gefällt nicht nur die Musik, sondern vor allem auch, dass ich mich auch wirklich mit den Texten identifizieren kann“, meint Julian aus dem Allgäu, der die O’Bros erstmals live erlebte, „das ist bei den Liedern, die ich im Radio höre, nicht immer so.“

Jugendliche als Protagonisten

Auf dem Programm des United-Treffen stehen noch Sport, Gottesdienste, Anbetung, Impulse und Workshops. Organisiert wurde die Begegnung von den Teamleitern der Looking Good und GetStrong Teams. Ermutigt werden sie dazu von Papst Franziskus. Im Nachsynodalen Schreiben „Christus vivit“ schreibt der Heilige Vater: „Die jungen Menschen wissen, attraktive Wege zu finden, um einzuladen. Sie verstehen es, Festivals und Sportwettbewerbe zu organisieren und auch in den sozialen Netzwerken mit Botschaften, Liedern, Videos und anderen Ideen zu evangelisieren. Man muss die jungen Menschen nur ermutigen und ihnen die Freiheit geben, damit sie sich für die Mission in den Bereichen, wo die Jugendlichen zu finden sind, begeistern“ (Nr. 210).

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Mit Glauben die Welt verändern – Teamleiterschulung 2019

Über 50 jungen Erwachsene kamen vom 5.-7. April zum jährlichen Teamleitertreffen unter dem Motto „Believe you can change the world“ auf den fränkischen Volkersberg bei Fulda.

Die jungen Leute engagieren sich neben Ausbildung oder Beruf ehrenamtlich in der Jugendarbeit des Regnum Christi. Damit ermöglichten sie allein im Jahr 2018 die Treffen von deutschlandweit 15 Jugendgruppen mit wöchentlichen Gruppenstunden sowie über 100 mehrtätige Veranstaltung von Camps und Wochenenden mit jährlich über 2.300 Teilnahmen. Viele der Teamleiter sind selbst in der Jugendarbeit des ECYD groß geworden, haben sich als Coworker weitergebildet und auch internationale Erfahrung gesammelt. So berichtete Veronika Lanzerstorfer aus dem österreichischen Wels gleich zu Beginn von ihrem Sommereinsatz in Mexiko und stellte fest: „Teamleiter sind einfach der Dreh- und Angelpunkt der Jugendarbeit“.

Sendung eines Teamleiters

In seinem Impulsvortrag am Samstagvormittag regte P. Klaus Einsle die Reflexion über die Rolle und Aufgabe eines Teamleiters an: „Wie sehe ich die Kinder? Wie sehe ich mich selber? Wie sieht Gott die Kinder und wie sie Gott uns? Der Umgang mit Zachäus, Petrus und Maria Magdalena lässt erkennen, dass Jesus nicht nur den Ist-Zustand betrachtet, sondern das Potential sieht, das im Menschen steckt, auch wenn sich aktuell noch nicht viel davon erkennen lässt. Kinder blühen auf, wenn man nicht bei der Gegenwart stehen bleibt, sondern auf die Zukunft ausgerichtet ist.“ Diese Einstellung sollte auch die Teamleiter auszeichnen, die gemäß den Statuten des ECYD eine zentrale Rolle in der Jugendarbeit spielen: „Sie begleiten die Kinder oder Jugendlichen ihres Teams in deren Persönlichkeitsentfaltung und führen sie hin zur Freundschaft und Nachfolge Jesu […] Sie fördern wahre Freundschaften untereinander, zeigen Interesse für jedes Teammitglied und stehen allen zur Seite. Sie beten für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen, führen persönliche Gespräche und organisieren die Teamaktivitäten“ (Statuten des ECYD Nr. 36).

Vielfältige Herausforderungen

Anschließend begaben sich die Teilnehmer in Kleingruppen und beschäftigten sich in Workshops mit vielfältigen Herausforderungen, denen Teamleiter in ihrer alltäglichen Arbeit begegnen: Die Kenntnis und der richtige Umgang mit der psychologischen Entwicklung von Kinder und Jugendlichen, Methoden und Hilfen für eine altersgerechte und spannende Vermittlung von Inhalten, die nötigen Schritte zur Bewerbung einer Veranstaltung sowie die unerlässliche persönliche Organisation. Die Jugendlichen sprachen auch über die Pflege des Internetkalenders und der damit verbundenen Datenbank.

Jugendschutz und Verhaltenskodex

Am Nachmittag referierte Bernadette Ballestrem (gottgeweihte Frau im Regnum Christi) anhand eines eigens dafür entwickelten Verhaltenskodex über die Ausübung der Aufsichtspflicht und die Beachtung der Bestimmungen des Jugendschutzes. Sowohl allgemeine Leitsätze für den Umgang und das Verhalten untereinander, als auch ganz konkrete Bestimmungen zur Nutzung von Handys, dem (Nicht-)Konsum alkoholischer Getränke, Baderegeln, Transport und Betreuung von Minderjährigen sind darin thematisiert.

Kraft- und Motivationsquelle

Das Feuer und die innere Motivation für ihren Einsatz schöpfen die Teamleiter aus der persönlichen Christusbeziehung und dem gemeinschaftlichen Gebet. Daher wünschten sich die Teamleiter neben festen Gebetszeiten und der täglichen Eucharistiefeier auch eine Nachtanbetung. „Die Kirche ist jung, wenn sie sie selbst ist und wenn sie die immer neue Kraft des Wortes Gottes, der Eucharistie, der Gegenwart Christi und der Kraft seines Geistes jeden Tag empfängt. Sie ist jung, wenn sie fähig ist, immer wieder zu ihrer Quelle zurückzukehren“, schrieb Papst Franziskus dazu in seinem jüngsten Nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Christus vivit“ (Nr. 35).

Unersetzbare Protagonisten

Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ (Jes 43,19). Anknüpfend an diesen Vers aus der Lesung der Sonntagsmesse reflektierte P. Martin Baranowski in der Predigt: „Die Neuheit kommt von Gott, nicht von uns. Gott will sein Werk tun, aber dazu wünscht er sich wie bei Maria unser Ja. Wir brauchen dringend eine Überwindung eines falschen Klerikalismus, der die Aufgabe der Neuevangelisierung ausschließlich an die Priester und Bischöfe delegiert. Wir erleben hier in der Jugendarbeit, dass gerade die Teamleiter eine Aufgabe haben, in der sie nicht nur Empfänger und Konsumenten, sondern als Protagonisten unersetzbar sind und gerade so fruchtbar mit den Priestern zusammenarbeiten.

Ich habe viel zu geben

Für eine nachhaltigere Arbeit im ECYD ist meiner Meinung nach notwendig, dass sich mehr Laien verbindlich engagieren“, meint der 23-jährige Jonas Schäfer (hier geht es zum Interview), der in Köln Latein und Geschichte auf Lehramt studiert. „Ich habe gemerkt: Ich habe viel zu geben! – Das möchte ich auch wirklich weitergeben“, ergänzt Gabriel Weidmann, ein 22-jähriger Teamleiter von GetStrong aus dem Chiemgau. „Für mich war das Teamleitertreffen eine wichtige Stütze, für das, was ich machen möchte“, resümiert Johannes Pauls, der mit 15 Jahren der jüngste Teilnehmer war.

 

 

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Hoch hinaus und tief verwurzelt

Das Oberpfälzer GetStrong-Team traf sich am letzten Märzwochenende zu einem vielseitigen Programm.

Luftige und geistige Höhe

Der Tag begann mit einem Besuch bei einem Arbeitsbühnen- und Staplerverleih. Dessen Geschäftsführer Benjamin Biberger hatte den Jungen bereits im Februar erzählt, wie er versucht, christliche Werte im Beruf zu leben. Nun lud er und sein Bruder sie ein, ihre Firma und den Arbeitsalltag näher kennen zu lernen. Nach einer Sicherheitseinweisung konnten die Teilnehmer in einem eigens für sie hergerichteten Parcours selbst einmal eine Hebebühne  ausprobieren und dabei erfahren, wie wichtig Konzentration und Präzision sind. Schwindelfreiheit war gefragt, als in 35 Meter Höhe sechs Kirchtürme der umliegenden Gegend zu erspähen waren. Beim gemeinsamen Grillen berichteten die Bibergers, wie sie selbst als Jungen durch Camps und Romwallfahrten wichtige Impulse für ihren Glauben erhalten haben. „Ich war auch einmal so wie ihr beim ECYD dabei. Da bin ich sehr beschenkt worden und das möchte ich jetzt auch an euch weitergeben“, erzählt Benjamin Biberger.

Bowlen und Beten

Nach dem anschließenden Bowlen erlebte die Gruppe am Abend eine junge und lebendige Kirche beim Prayerfestival der Jugend 2000 in Teunz. Nach dem Jugendgottesdienst zum Thema „Erfülle unser Herz“ gab es Anbetung und Beichtgelegenheit.

Wie sich Glaube bewährt

Bewegend war am Sonntag das Zeugnis des indischen Priesterseminaristen Chinna, der derzeit ein Praktikum in der Pfarrei Hainsacker absolviert. Er berichtete von einem blühenden christlichen Leben in seiner südindischen Heimat, in der viele Christen wegen ihres Glaubens sogar Verfolgung und Misshandlungen auf sich nehmen müssen. Welchen Sinn Opfer und Verzicht in der Fastenzeit haben, erläuterte Teamleiter Sebastian Roidl in seinem Impuls: „Liebe verzichtet, sie hält die Sünde nieder und stärkt den Willen.“

Zu Grunde gehen

Den Sinn der Fastenzeit thematisierte P. Martin Baranowski ferner in der Predigt in der Sonntagsmesse, welche die Gruppe mit der Pfarrgemeinde Hainsacker feierte: „Ich wäre zugrunde gegangen, wäre ich nicht zu Grunde gegangen.“ Dieses Zitat und Wortspiel des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard aus dem Fastenhirtenbrief 2019 von Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Passau) führt zum Evangelium vom „verlorenen Sohn“ bzw. vom barmherzigen Vater. – Zum „Grunde“ gehen, bedeutet auch in die „Tiefe“ gehen, dem Leben, dem Sinn des Lebens „auf den Grund gehen“, sagt P. Martin.  Hier finden Sie die Predigt zum Nachhören.

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Wer bin ich?

Rund 50 Jungen und junge Männer befassten sich am Wochenende vom 2.-3. Februar bei „GetStrong“ im Allgäu mit der Frage nach der eigenen Identität.

Auf dem Schlitten in die Gemeinschaft

Mit Sonne und Neuschnee begann die Gruppe das Wochenende bei einer rasanten Schlittenfahrt. Dabei wurde schnell deutlich: Geschwindigkeit, Abenteuer, Schneeballschlacht und Gemeinschaft sind allen Jungs wichtig, so dass auch die fünf Erstteilnehmer schnell einen Zugang zur Gruppe fanden. Diese gemeinsame Aktivität war wichtig, um auch innerlich zusammen zu kommen.

Gute Vorbilder helfen

Anhand von ausgewählten Filmsequenzen beschäftigte sich die Gruppe mit verschiedenen Männerbildern. Teamleiter Pius Rist stellte dazu verschiedene Männerfiguren in der Heiligen Schrift und deren Werteorientierung vor. Am Abend analysierten die Älteren im Film „Gran Torino“ die Rolle des Clint Eastwood, der zunächst viele Männerklischees zu erfüllen schien: Freund von Autos und Bier, ein etwas rauer Kämpfertyp, kann nicht kochen, ist mit tiefgehenden Beziehungen überfordert sowie eher desinteressiert am Glauben. Doch die Entwicklung des Protagonisten zeigt, dass er sich im Laufe der Ereignisse verändern kann: Am Ende steht er ein für echte Hingabe und Übernahme von Verantwortung gegenüber den Schwachen und Unterdrückten in der Gesellschaft.

Die Jüngeren bewunderten in Filmausschnitten von „Invictus – unbezwungen“ die Figur des Nelson Mandela (1918-2013), der 27 Jahre seines Lebens als Schwarzer in Südafrika im Gefängnis verbrachte, weil er standhaft gegen Rassendiskriminierung und Apartheit einstand. Dabei ließ er sich von widrigen Umständen nicht unterkriegen und vom Hass nicht besiegen, sondern suchte, gemäß dem gleichnamigen Gedicht von William Ernest Henley (1849–1903), in Freiheit Wege zur Versöhnung: „Ich bin der Meister meines Los’. Ich bin der Käpt’n meiner Seel.“ Auf der Suche nach Leitbildern entdeckten beide Gruppen letztlich neu Jesus Christus als Vorbild für jeden Menschen, auch für Männer in unserer Zeit, durch seine Hingabe in Freiheit und Liebe.

 

Glaube und Einsatz

Ein starker Glaube darf bei der eigenen Entwicklung der Persönlichkeit und Identität nicht fehlen! Darüber referierten Teamleiter Pius Grammetbauer und Pius Berktold, indem sie von ihren Erfahrungen vom Weltjugendtag in Panama und dem Vorprogramm der Regnum-Christi-Gruppe in Mexiko berichteten. Beim gemeinsamen Gottesdienst thematisierte P. Martin Baranowski auch die geistliche Botschaft von Papst Franziskus an die Jugendlichen:

„Wenn ihr so von Angesicht zu Angesicht vor Jesus steht, dann habt Mut und keine Angst, ihm euer Herz zu öffnen, damit er das Feuer seiner Liebe in euch erneuere, damit er euch ermutige, das Leben mit all seiner Schwäche, mit all seiner Begrenztheit, aber auch mit all seiner Größe und Schönheit anzunehmen. Jesus helfe euch zu entdecken, wie schön es ist, lebendig und wach zu sein. Scheut euch nicht, Jesus zu sagen, dass auch ihr an seiner Liebesgeschichte in der Welt teilnehmen wollt, dass ihr ‚mehr‘ wollt!“ (Papst Franziskus bei der Vigilfeier am 26. Januar 2019).

„Ehrenmann“ – was alles hinter einem Jugendwort steckt

Zum Jugendwort des Jahres 2018 wurden erst jüngst die Wörter „Ehrenmann“ und „Ehrenfrau“ gewählt. Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten ihre Vorschläge bei „Langenscheidt“ einreichen können, woraus eine Top-30-Auswahl aufgestellt worden war. Danach wurde online abgestimmt, aus den daraus resultierenden zehn Favoriten wählte eine Jury dann das Jugendwort.

Die jungen Männer stellten sich demnach die Frage, was die heutige Welt von einem „Ehrenmann“ erwartet. Das Brainstorming ergab eine Vielfalt von Antworten:

Ein Ehrenmann legt sich mit stärkeren an, nicht mit schwächeren.
Ein Ehrenmann hilft seinen Freunden.
Sind die Freunde des Ehrenmannes bei einem Kampf in der Unterzahl, so hilft er ihnen.
Ein Ehrenmann reagiert gelassen und entspannt auf Provokationen.
Ein Ehrenmann rennt keiner Frau hinterher.
Ein Ehrenmann schlägt keine Frau.
Seinen Besitz hat ein Ehrenmann ehrlich erworben (er hat sie nicht geleast/geliehen, um damit anzugeben).
Ein Ehrenmann kümmert sich, um seine Kinder, egal, ob er von seiner Frau geschieden ist oder sie nicht zusammenleben.
Ein Ehrenmann macht sich nicht an die Freundin, die Cousine oder andere weibliche Verwandte seiner Kumpels, Bro‘s oder Brüder ran.
Ein Ehrenmann sagt die Wahrheit und lügt nicht.
Ein Ehrenmann steht zu seinen Worten.
Ein Ehrenmann bezeichnet sich nicht als „Ehrenmann“

Vor diesem Hintergrund schienen auch „alte“ Werte, wie Treue und Disziplin, eine neue Aktualität zu erhalten. Wichtig waren den jungen Leuten auch Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, klare Werte zu haben, frei und unabhängig zu sein, treu zu bleiben, sich für ein Ideal einzusetzen, auch Ängste einzugestehen und sich ihnen zu stellen sowie ein gesundes Selbstwertgefühl zu haben.

Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang die These des amerikanischen Autors Sebastian Junger: „Krieg hat junge Männer schon immer gefesselt, wir können zurückgehen bis zur Belagerung von Troja.“ Im Gespräch wurde deutlich, dass die Sehnsucht nach Kampf und Erfolg junge Männer heute meist in virtuelle Welten zieht, wobei die Gefahr besteht, Gewalt zu verherrlichen und die eigene Verantwortung in der realen Welt zu vernachlässigen.

Eine starke Gemeinschaft

Das Schlittenfahren war einfach super“, sprudelte ein Junge bei der Abschlussrunde. „Ich staune über das Wachstum der Gruppe“, freute sich Teamleiter Pius Berktold. Erstmals reichten die Privatautos für den Transport der Teilnehmer nicht mehr aus, so dass ein Reisebus angemietet werden musste. „Für mich ist die gute Gemeinschaft besonders wichtig“, ergänzte ein langjähriger Teilnehmer.

 

 

 

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Über den eigenen Schatten springen

Unter diesem Motto kamen vom 1. bis 2. Dezember insgesamt 45 Jungen zum „GetStrong“-Adventstreffen im Allgäu.

Ein Vormittag für ein ganzes Jahr

Wie bereits in den vergangenen vier Jahren engagierte sich das „GetStrong“-Team am Vormittag bei der „Aktion Kilo“. Gerade die zahlreichen Erstteilnehmer erfuhren dabei hautnah, was es bedeutet, über den eigenen Schatten zu springen, um anderen zu helfen – das Thema des Wochenendes.

Ich musste mich immer wieder überwinden, um auf die Leute zuzugehen und sie anzusprechen aber dann habe ich mich sehr gefreut, wenn sie etwas gegeben haben“, beschrieb ein Zehnjähriger sein Wechselbad der Gefühle. Die Menschen reagierten sehr unterschiedlich auf die Einladung, ein Kilo mehr haltbare Lebensmitteln für Bedürftige zu spenden: Manche gingen gleichgültig weiter, andere versuchten zu erklären, warum sie nicht spenden möchten und wieder andere unterstützen die „Aktion Kilo“ voller Begeisterung. „Eigentlich bitten wir die Leute nicht um einen Gefallen, sondern beschenken sie, indem wir sie einladen, großzügig zu sein. Niemand gab uns etwas, ohne dabei zu lächeln. Ich finde, Großzügigkeit macht glücklich“, berichtet ein Teilnehmer. 

Erschöpft aber auch zufrieden lieferten die Jungen gegen Mittag ca. 1,7 Tonnen an haltbaren Lebensmitten bei der Wärmestube des Roten Kreuzes in Kempten ab. Dort finden v.a. Obdachlose, psychischen Kranke und von Altersarmut Betroffene täglich eine warme Mahlzeit und ein offenes Ohr. „Jetzt sind unsere Vorratskammern wieder voll“, freut sich Köchin Alex, „und damit haben wir Mehl, Zucker und Nudeln für ein ganzes Jahr.

Trampolin und Gott

Als kleine Belohnung für den Einsatz stand im Anschluss der Besuch einer Trampolinhalle auf dem Programm. „Dabei kann man sich vorstellen, wie die Gnade Gottes wirkt“, meinte Jugendseelsorger P. Martin Baranowski schmunzelnd. „Wie beim Trampolin das Springen zwar unerlässlich aber die erreichte Höhe unvergleichlich größer ist, so möchte Gott auch unser Bemühen, aber die Gnade Gottes schenkt der menschlichen Anstrengung eine vollkommen disproportionale Wirkung.“ Wenn gesagt wird, jemand solle über den eigenen Schatten springen, bedeutet dies oft, sich zu überwinden, etwas tun, was man sonst nie oder nicht so leicht tun würde. Das ist auch im christlichen Leben oft nötig, wenn es im Alltag ums Gebet, Geduld, Nächstenliebe oder Einsatz im Apostolat geht.

Mit Gott über Mauern springen

Beim gemeinsamen Adventsgottesdienst fiel auf: Genau genommen ist das gar nicht möglich, über den eigenen Schatten zu springen. So zeigt der Advent wie ein Zeitraffer der ganzen Heilsgeschichte: Die Menschen brauchen einen Erlöser, weil es niemand allein schafft. Die Bibel berichtet ungeschönt von den Schwächen ihrer „Helden“: Noach war betrunken, Abraham alt, Jakob ein Lügner, Josef wurde missbraucht, Moses hat jemanden umgebracht, David war ein Ehebrecher, Eliah hatte Selbstmordgedanken, Ijob ging pleite, Petrus hat den Herrn verraten, Thomas war ungläubig, Paulus verfolgte die Kirche. Doch darf die Erfahrung der eigenen Schwäche nicht entmutigen, sondern soll die Erwartung und Sehnsucht wachsen lassen.

Christus ist immer bei uns Menschen, gerade deshalb, weil wir es nicht aus eigener Kraft schaffen, und er kommt zu uns, weil wir ihn brauchen. Betlehem heißt übersetzt „Haus des Brotes“. Das Kommen Gottes in unsere Welt, das wir zu Weihnachten feiern, erleben wir sakramental in jeder heiligen Messe: Jesus kommt zu uns, wird der Immanuel, d.h. „Gott ist mit uns“ und stärkt uns mit seiner Gegenwart und seiner Gnade.  Und auch als Christen haben wir eine Sendung, die rein menschliche Kräfte übersteigt, aber mit Gott möglich wird: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (Ps 18,30). Zu Vorbereitung auf das Weihnachtsfest erhielten die Teilnehmer einen geistlichen Adventskalender für ihre Familien sowie einen Rosenkranz, den Teamleiter Johannes Reichlmair erklärte und aus eigener Erfahrung empfahl.