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Camps

Ein Teamleiter, der nicht nur einen „Rotzlöffel mit 14 Jahren“ sieht

Jonas Schäfer ist 23 Jahre alt und studiert in Köln Geschichte und Latein auf Lehramt. Er engagiert sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich als Teamleiter im ECYD. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen und warum ein pubertärer Teenager für ihn mehr ist, als ein „Rotzlöffel mit 14 Jahren“:

Jonas, du warst schon als Kind im ECYD. Wie hast du es eigentlich kennengelernt?

Über meine Eltern. Die begegneten in Medjugorje einem Pater von den Legionären Christi, der ihnen von den ECYD-Camps erzählte. Bei uns im Sauerland gab es keine katholischen Jugendangebote, deswegen haben meine Eltern nicht lange nachgedacht und mich angemeldet.
Das erste Camp war in Werl. Ich kann mich sehr gut an das „Capture the flag“-Spiel erinnern. Ich kannte das Spiel vorher noch nicht und es war ein echtes Abenteuer für mich. Beim nächsten Camp war ich in Paris. Dort waren wir im Asterix-Park und haben Lasertag gespielt.

Also haben deine Eltern für dich entschieden.

Ja. Aber mit der Zeit, habe ich selber die Initiative ergriffen und wollte von mir aus auf die Camps. Zum einen, weil es für mich Abwechslung im Vergleich zum Alltag bedeutete, zum anderen, weil die Gemeinschaft untereinander cool und das Ambiente sehr wertschätzend war. Ich hatte im Verlauf der Zeit neue Freundschaften geschlossen und die Camps waren eine gute Gelegenheit, sich wiederzusehen. In dem Alter habe ich mich noch nicht so sehr für den Glauben interessiert.

Jetzt bist du Teamleiter im ECYD. Was motiviert dich dazu?

Jonas bei einer Pilgerfahrt in Israel

Meine Motivation geht von meinem Beruf aus, weil ich merke, dass es mir Freude macht, mit Kindern zu arbeiten und glaube, dass es mir liegt. Ich kann in der Jugendarbeit sehr authentisch und witzig sein. Gleichzeitig möchte ich den Jungs helfen, dass aus ihnen Jugendliche und Erwachsene werden können, die das Leben meistern. Ich denke, dass in jedem Kind viele Talente stecken. Wenn damals mein Talent nicht entdeckt und gefördert worden wäre, hätte ich wahrscheinlich einen anderen Weg eingeschlagen. Ich möchte, dass Jungs, die eine ähnliche Biografie wie ich haben, Erfahrungen von Freundschaft machen, dass sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Zeit nicht nur mit ihren Handys zu verschwenden. Ich möchte ihnen Sinn und Freude am Leben vermitteln.

Und wie finden die Jugendlichen Sinn und Freude am Leben?

Jonas als Moderator bei der „Wir wetten dass Show“ 2019

Das ist eine sehr komplexe Frage. Ich glaube Sinn entdeckst du dann, wenn du merkst, dass dein Leben einen Unterschied macht, weil es dich, so wie du bist, nur einmal gibt. Ich arbeite im ECYD vor allem mit Jungs und spreche daher aus ihrer Perspektive: Jungs brauchen Verantwortung. Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft Jungen ausreichend Verantwortung lehrt bzw. abverlangt, u.a. weil wir in einer Konsumgesellschaft leben, in der der Sinn im oberflächlichen Spaß zu liegen scheint. Aus meiner Erfahrung in der Schule würde ich sagen, dass alles immer „leichter“ wird, in dem Sinne, dass die Kinder nicht mehr herausgefordert werden, treu und beständig an etwas dran zu bleiben bzw. für etwas einzustehen. Aber gerade die Erfahrung der Übernahme von Verantwortung ist später wichtig, wenn die Jungen im Beruf stehen und eine eigene Familie gründen wollen.

Was war deine schönste Erfahrung als Teamleiter im ECYD?

Ich habe ein Coworkerjahr an einer Schule in Dublin in Irland gemacht. Am Ende des Schuljahres kam ein Kind zu mir und hat gesagt: „Ich bin so dankbar, dass Sie mich nicht aufgegeben haben“. Da steckte eine große Lehre für mich drin, nämlich die Frage: „Wie sehen wir die Kinder?“
Zum einen ist da der Ist-Zustand, in dem die Jugendlichen pubertär sind, keine Lust haben, irgendetwas zu tun, etc. Aber die schöne Erfahrung ist, zu sehen, was aus demselben Kind nach einem Jahr werden kann oder auch schon nach einem Camp. Das Kind hat Schritte gemacht, die es vorher nicht gegangen ist. Dieses kleine „Samenkorn“, das man auch als Teamleiter bewässern darf, hat sich entwickelt, in einer Weise, wie man es vielleicht nicht erwartet hatte, aber die gut ist.

Wo müssen wir noch lernen?

Für eine nachhaltigere Arbeit im ECYD ist meiner Meinung nach notwendig, dass sich mehr Laien verbindlich engagieren. Eine weitere Herausforderung ist, dass die ECYD-Teams geographisch meist weit auseinanderliegen, was es den Teamleitern fast unmöglich macht, die Kinder öfter zu sehen. Deswegen plane ich aktuell mit Pater Raphael Ballestrem, GetStrong-Wochenenden in NRW zu organisieren. Ausbildung kann nur dann geschehen, wenn man sich wirklich Zeit nimmt. Wir müssen die Kinder und Jugendlichen über einen längeren Zeitraum begleiten, damit unsere Arbeit nachhaltig ist. Ich denke, das ist eine Entwicklung, die uns noch in den nächsten Jahren beschäftigen wird.

Vielen Dank.

Das Interview führte Angela Kunze.

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